Im Gespräch mit Andreas Fivian – Musik verbindet

Seit 2021 arbeitet Andreas Fivian in der Tagesstätte des Discherheims. Seine Leidenschaft gilt den Menschen – und der Musik. Als langjähriger Schlagzeuger bringt er beides zusammen und schafft Momente, in denen Begegnung, Freude und Gemeinschaft im Mittelpunkt stehen.

Der Weg ins Discherheim
Der berufliche Weg von Andreas begann mit einem Praktikum im PTA-Wohnheim in La Neuveville. Dort sammelte er erste Erfahrungen in der Begleitung von Menschen mit Beeinträchtigungen – Erfahrungen, die ihn nachhaltig prägten.
Anschliessend blieb er während 13 Jahren in dieser Institution und absolvierte dort seine Ausbildung zum Fachmann Betreuung (FaBe). Seit 2021 bringt er seine Erfahrung in der Tagesstätte des Discherheims ein.
Eine Leidenschaft seit der Kindheit
Musik begleitet Andreas schon fast sein ganzes Leben. Bereits als Kind begann er Schlagzeug zu spielen und erhielt mit 14 Jahren Unterricht am Konservatorium in Biel.
Gemeinsam mit seinem Bruder und musikbegeisterten Freunden gründete er eine Rockband, die ihn während 25 Jahren begleitete.
«Wir spielten zahlreiche Live-Konzerte, produzierten LPs und realisierten viele spannende Projekte. Damals waren wir alle noch ohne Familie und arbeiteten Teilzeit – so konnten wir unglaublich viel Zeit und Herzblut in unsere Leidenschaft investieren.»
Musik als Brücke
Schon während seines ersten Praktikums begann Andreas, Musik ganz selbstverständlich in den Alltag der Wohngruppe einzubauen. Inspiration holte er sich bei einer Musiktherapeutin, die regelmässig in der Institution arbeitete.
«Dort entstand auch mein Interesse, mich autodidaktisch in diesem Bereich weiterzubilden.»
Heute gehören musikalische Angebote ganz selbstverständlich zu seinem Arbeitsalltag in der Tagesstätte.
Gemeinsam musizieren – gemeinsam wachsen
Für Andreas steht dabei nicht die musikalische Leistung im Vordergrund.
«Beim gemeinsamen Musizieren sind wir alle zuerst einfach Menschen – mit Stärken und Schwächen.»
Musik fördere Motorik, Konzentration, Gedächtnis und Sozialverhalten. Gleichzeitig entstehe etwas, das sich gar nicht wie Förderung anfühle.
«Es fühlt sich nach Entspannung und Spass an.»
Regelmässiges Musizieren könne Spannungen abbauen, das Selbstwertgefühl stärken und das Gemeinschaftsgefühl fördern.
«Man hört aufeinander, passt sich an, lacht miteinander und baut Hemmungen ab. Ob Menschen mit oder ohne Beeinträchtigung – da sehe ich keinen grossen Unterschied.»
Momente, die bleiben
Besonders in Erinnerung geblieben sind Andreas viele kleine und grosse Begegnungen.
So entdeckte er bei einem Klienten, der Laute wiederholte, dass über das gemeinsame Lautieren eine Interaktion von mehr als 15 Minuten entstand.
«Zwischendurch begann er zu lachen. Das war ein ganz besonderer Moment.»
Ein weiteres Highlight ist für ihn der Trommelkreis am jährlichen Maifescht, den er gemeinsam mit einer Arbeitskollegin organisiert.
«Der Raum war voller Besucherinnen und Besucher, Klientinnen und Klienten. Jede Rassel war verteilt und plötzlich groovte einfach alles zusammen. Grossartig – das ist Inklusion.»
Den Menschen sehen
Auf die Frage, welche Eigenschaften für seine Arbeit besonders wichtig sind, muss Andreas nicht lange überlegen.
«Empathie, Wertschätzung und Beobachtungsgabe stehen für mich im Zentrum.»
Für ihn geht es darum, den Menschen wirklich zu sehen.
«Nicht die Beeinträchtigung steht im Vordergrund, sondern die Stärken und die Individualität. Sich in die Lage des Gegenübers versetzen können, ohne zu bemitleiden. Jede und jeden so behandeln, wie ich selbst behandelt werden möchte.»
Eine musikalische Vision
Für die Zukunft hat Andreas bereits konkrete Ideen. In seinem Musikatelier wird heute hauptsächlich improvisiert. Gerne würde er diesen Gedanken weiterentwickeln.
Sein Wunsch ist eine inklusive Konzertreihe, bei der interessierte Klientinnen und Klienten gemeinsam mit professionellen Improvisationsmusikerinnen und -musikern auftreten.
«Ich fände diesen Austausch sehr spannend. Gleichzeitig könnte er die Inklusion in der Kulturszene fördern.»
Ein Lied mit Botschaft
Zum Schluss verrät Andreas noch, welches Lied ihn besonders begleitet: «Get Up, Stand Up» von Bob Marley und Peter Tosh.
Die Botschaft des Songs passt zu seiner Haltung und seiner Arbeit:
«Steht ein für eure Rechte.»



